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Benzin im Blut - Seite 6      Die Einkaufsfahrten in die CSSR

Nicht nur von Club wegen waren die übrigen Marken der AUTO UNION für mich interessant. Zur umfangreichen Literaratur kaufte ich auch so manches Fahrzeug. Bei unseren vielen Reisen in die damalige CSSR ging ich mit Freunden auf Schatzsuche, teils für Clubfreunde, teils für uns selber. So fanden viele AUDI, HORCH und vor allem WANDERER den Weg zurück nach Deutschland. Es waren oft Himmelfahrtkommandos, man denke nur an den eisernen Vorhang und die damit verbundenen Probleme, der Kauf war oft eine Gratwanderung zwischen Zoll, Ausfuhrmisterium und anderen Behörden einschließlich der Miliz. Wehedem man hatte dann da noch privaten Kontakt, dann war einem die Staatssicherheit mehr als einmal auf den Fersen. Eine der merkwürdigsten aber auch lustigen Begegnungen hatte ich just auf der Rückfahrt mit dem neu erworbenen schwarzen WANDERER W24. Am CSSR Zoll gefiel einer drallen Zöllnerin meine rote Nummer überhaupt nicht. Immer wieder betonte sie " rotes Nummer gäht nix in Tschächeslowakei", es halfen weder übriggebliebene Kugelschreiber und andere Mitbringsel noch die für verstärkten Einsatz gehorteten Weststrumpfhosen. Sie blieb dabei: 
" Rotes Nummer gäht nix ". Erst meine Frage, wie ich dann 'bitterscheen' den Wagen sonst überführen solle, brachte sie ins Wanken. Nach minutemlangem Grübeln kam dann: " Garr kein Nummer, aber rotes Nummer gäht nix " ..
 
Eine einer unserer zahlreichen Fahrten in die CSSR, hier in Pilsen, beladen  mit einem WANDERER W23, und einem DKW F8 Front-Luxus Viersitzercabrio. Den WANDERER W 24 fuhr ich per Achse nach Deutschland WANDERER W 24 Limousine von 1939 mit von außen zugänglichem Kofferraum. Zu meinem später gekauften  37er unterschied er sich zusätzlich durch Rundinstrumente, dieser hatte quadratische. Ganz in der Nähe stand noch eine viertürige Cabriolimousine mancher AUDI, HORCH oder WANDERER fand den Weg zurück nach Deutschland. Hier entdeckte und kaufte ich diese HORCH 830BL Limousine von 1936. 

Fotos Archiv Jansen
Es war schon ein Erlebnis der besonderen Art durch Informationen hinter vorgehaltener Hand Fahrzeuge zu entdecken, fast wie in konspirativen Zirkeln weitergereicht zu werden, Preise auszuhandeln und dann über das Außenhandelsminiterium und andere Behörden letztlich Ausfuhrgenehmigungen zu erhalten. Eine Gradwanderung zwischen kleinen Aufwerksamkeiten und größeren Mitbringseln, die schon als Bestechung hätten ausgelegt werden können, ebenso wie doch noch Tricks zu finden, entdeckte und bei uns dringend benötigte Ersatzteile oder gar Motore irgendwie in den Westen zu bekommen. Dazu jedesmal das Prozedere der Grenzüberschreitung hinüber und herüber, die Kontrollen, Bespitzelung in den Hotels, das triste Grau in Grau des damaligen Ost-Alltags, der Zustand der Straßen und Häuser. Ganz schlimm war es in den Wintermonaten, wenn die mit Asche gestreuten Straßen diese und auch ie Autos ebenso grau und trist erscheinen ließen und die Abgase durch Industrie und Heizungen taten ihr übriges um den Schnee nicht mehr weiß glänzen zu lassen. Wir erfuhren durch unsere Bekannten den Mangel an allem und die Wichtigkeit des Tausches untereinander.

Und trotzdem denkt man gerne zurück, an die Herzlichkeit der Menschen, die Aufgeschlossenheit gegenüber allem westlichen :-), die gute Zusammenarbeit, das Vertrauen das in einen gesetzt wurde und das man erwiderte. 


© Archiv Klaus Jansen  -  OldtimerWEBseiten  15.01.2002  - Update 18.04.2012